Osteuropa: Mit Mikrokrediten aus der Armut

Mittels Mikrokrediten wollen drei ungarische Geschäftsleute aus Sozialhilfeempfängern Unternehmer machen. Steigt der Bedarf an Mikrofinanzierungen? Expertenmeinungen gehen auseinander.

„Wir sprechen hier von einem Pilotprojekt mit limitierten Ambitionen“, sagt Peter Felcsuti zum WirtschaftsBlatt. Felscuti ist einer von drei ungarischen Geschäftsmännern, die, wie letzte Woche bekanntgegeben worden ist, Mikrokredite an Arme vergeben wollen.

Mit seiner Funktion als CEO der Raiffeisen Hungary habe diese Initiative nichts zu tun, so Felcsuti. Ebenso gehe es nicht darum, ein Unternehmen im klassichen Sinne zu gründen, sondern mehr um eine Charity-Aktivität. „Wir sind eine Initiative von privaten Personen, die das große Probleme der Armut lösen wollen“, so Felcsuti und verweist auf die Charity Foundation von Andras Polgar, dem zweiten der drei Geschäftsmänner. Über diese Foundation soll das Pilotprojekt laufen. Der dritte Geschäftsmann ist Andras Ujlaky.

Privates Pilotprojekt
An die 600.000 Menschen leben in Ungarn in tiefer Armut. Geld, um aus der Armut herauszukommen, gebe es genug, so Felscuti. Aber es fehle an Knowhow, diese Gelder anzuzapfen. Hier setzt das Pilotprojekt an. Die Idee ist, dass Arme die Sozialhilfe aufgeben und stattdessen ein Geschäft aufmachen. „Wir wollen mittels einer kleinen Struktur, einem Büro direkt zu den betroffenen Menschen gehen und ihnen helfen, Mikrofinanzierungen dafür zu bekommen“, so Felcsuti.

Derzeit werde erhoben, wie groß der Bedarf tatsächlich ist. Das Ergebnis soll Anfang März vorliegen. Dann werde es an die drei Monate dauern, um das Pilotprojekt zu entwickeln. Der Staat könnte die Kosten für das Pilotprojekt übernehmen, so Felcsuti.

Kreditnachfrage fällt
Laut Felcsuti gebe es wachsenden Bedarf an Mikrofinanzierungen. Es könne schon sein, dass der Bedarf an „Survive-Krediten“ für Kleinstunternehmen steigen werde, heißt es aus der ProCredit, einem Mikro-Enterprise-Finanzierer mit langjähriger Osteuropa-Erfahrung. Prinzipiell falle aber derzeit wegen der schlechten Wirtschaftslage die Nachfrage nach Krediten, heißt es von ProCredit. Klar, bevor jemand arbeitslos ist, gründet er lieber ein Kleinstunternehmen, um zu überleben.

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